Die Geschichte der beiden Typen
des Afghanischen Windhundes
Gesammelt aus mehreren Quellen und hier zusammen gestellt von Diana
Lüdemann.
Inhalt:
In drei zeitlichen Epochenschritten stelle
ich die Überlieferungen über die beiden Typen jeweils gegenüber.
1a. Die Theorien über die Entstehung der
Windhunde im Allgemeinen
1b. Die ersten Zeugnisse
von den beiden Typen des Afghanischen Windhundes
2a. Die Importe nach England:
Bell-Murray und Mrs. Amps ("Ghazni")
2b. Der Typenvergleich
in der Literatur: der historische Steppenafghane versus historischer Bergafghane
3a. Die Zuchtbasis zwischen
den 1920ern und 1940er Jahren
3b. Eine Übersicht
über die heute anerkannten Windhunderassen und sonstigen Afghanentypen
3c. Die Vereinigung
von Steppen- und Bergafghanen im Standard
4. Literatur
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1a. Die Theorien
über die Entstehung der Windhunde im Allgemeinen
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Die Theorie über die Entstehung des Haushundes
aus dem Wolf
Es gibt verschiedene Theorien über die Entstehung und
Verbreitung der Windhunde.
Inzwischen ist molekularbiologisch bewiesen, dass alle Hunderassen
vom Wolf abstammen,
und zwar von einer heute ausgestorbenen Unterart, die sich vor über
100.000 Jahren abspaltete.
Aus dieser Unterart Canis lupus familiaris entstand die Variationsbreite
der heutigen Hunderassen.
Weiterführende Internetseiten zur Abstammung des Hundes vom Grauwolf:
(die Links bauen aufeinander auf: vom Allgemeinen immer wissenschaftlicher)
http://home.t-online.de/home/dmr-greywolf/wartikel-nzz1997.htm
http://home.arcor.de/amdo/Domestikation.html
http://www.bas-rouge.de/echt/krankheiten/selektion.htm
.
Die Theorien über die Entstehung des Windhundes
Die Enstehung des Windhundes wird als Hochspezialisierung auf
die Sichthetzjagd aus den ursprünglichen Jagdhunderassen angenommen.
Die ältesten Darstellungen von Hunden überhaupt sind Windhunde in
Afrika:
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Diese beiden Dar- stellungen stammen aus
Nordafrika: Qued Djerat, Nordsahara und Fezzan, Libyen.
Sie stellen den stehohrigen Windhunde des Tesem-Typs dar.
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Bildquellen: "Unsere Windhunde", DWZRV, Ausgabe
03/2003, Seite 25 & Erik Zimen, "Der Hund", München 1988, Seite 152.
Der sogenannte Typs des "Tesem" findet sich schon vor 9000 Jahren in Nordafrika
und zeigt
eine windhundhaft schlanke, hochläufige Anatomie, die in
der Stilisierung besonders deutlich
die Windhundmerkmale überzeichnen: muskulöse Hinterhand, tiefer
Brustkorb, überlange Beine.
Heute sind nur noch die Mittelmeerwindhunde stehohrig und nur noch der Podenco
Ibicenco
ringelt während der Jagd seine Rute über den Rücken, kommt
damit also dem Tesem am nächsten.
Vermutlich sind die Windhunde aus den damaligen Jagdhunden hervor gegangen,
als sie sich auf
eine immer schnellere, das Wild rasch einholende und fangende Verfolgungsjagd
spezialisierten.
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Diese beiden Darstellungen stammen aus
Ägypten: Links: andere Jagdhunde
und der Tesem-Windhund existierten nebeneinander.
Rechts: Vor 5000 Jahren taucht der hängeohrige Windhund auf und verdrängt
den stehohrigen von den antiken Jagddarstellungen. |
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Bildquellen: Erik
Zimen, "Der Hund", München 1988, Seite 157
& "Unsere Windhunde", DWZRV, Ausgabe 03/2003, Seite 25.
Da es schon vor 10.000 Jahren alle Grundtypen des Hundes gegeben haben dürfte
(neben den hetzspezialisierten Windhunden und anderen Jagdhunden die Wach-
und Hütehunde, spätestens seit
der Hochkultur Ägyptens auch die verzwergte
Schoßhunde), verwunderte die Darstellung von Windhund
und Jagdhund nebeneinander nicht: die schon damals auf ihre Schnelligkeit
spezialisierten Windhunde
besetzten eine Nische in den schon damals vielfältigen Jagdmethoden
der alten Kulturen. Der Tesem,
die altägyptische Windhunderasse, war zum Beispiel auf die schnelle
Antilopenjagd spezialisiert.
Andere Jagdhunde hat es schon immer gegeben, darunter die dem
Windhund ähnlichen Laufhunde.
Die Beliebtheit der Bracken ist historisch durchgängig
dokumentiert. Ihre einstige Bedeutung wird heute
noch durch die Bezeichnung der FCI-Gruppen als Laufhunde für Hoch-
und Niederwild angedeutet.
Als Übergangsform zwischen der großen Gruppe der
allein mit der Nase fährtenden Laufhunde
und den allein mit dem Auge hetzenden Windhunden haben sich die mediterranen
Windhundrassen
erhalten, die man bis heute in den
stehohrige Laufhunden der Mittelmeerinseln erhalten findet:
Podenco Ibicenco (Balearen, Katalonien), Podenco Canario (Kanaren), Kelb
tal-Fenek (Malta),
Cirneco dell'Etna (Sizilien). Diese
vier Rassen verkörpern den sog. Typ des "Pharaonenhundes"
- jedoch haben
die Engländer den Namen "Pharao Hound" allein für den Kelb tal-Fenek
reserviert,
obwohl von den heutigen Rassen der Podenco Ibicenco dem Erscheinungsbild
am nahesten kommt.
Anders als die reinen Vollblutwindhunde, die nur auf Sicht hetzen, benutzen
sie auch ihre Nase und
ihr Gehör, um das Wild aufzustöbern
und nach dem Aufscheuchen zumeist paarweise zu fangen.
Diese im Typ schon seit Jahrtausenden bekannten Hunde haben sich an das
zerklüfteten Felsenterrain
auf den Mittelmeerinseln und Kanaren angepasst und als Kaninchenjagdspezialisten
überdauert.
Hingenen die auf reine Sichtjagd spezialisierten
Windhunde konnten sich nur in weithin offenem Gelände
herausbilden: aus der Ferne erspähen sie ihre Beute und hetzen sie
bis zur Erschöpfung. Wie erwähnt
reichenen die ersten Darstellungen dieser hängeohrigen
Hetzspezialisten etwa 5.000 Jahre zurück.
Sie dürften sich aus den Bracken, die in der Meute das Wild bis zur
Erschöpfung verfolgten, entwickelt
haben: einige wurden eben immer schneller und holten dadurch das Wild immer
früher ein. Jeweils
angepasst an ihre Region haben sich die heute anerkannten Windhunderassen
über die Welt ausgebreitet
(siehe dazu das spätere Kapitel Eine Übersicht
über die heute anerkannten Windhunderassen ).
Aber es aber gibt auch Stimmen, die sich gegen diese Entwicklungsgeschichte
aussprechen.
Die einen meinen, dass die Windhunde im zentralasiatischen Osten entstanden
sind (z.B.
aus dem südosteuropäischen Steppenwolf oder indischen Wolf
heraus gezüchtet) und
durch diverse Völkerwanderungen
nach Osteuropa und von dort bis in den
afrikanischen
Südwesten vorgedrungen sind.
(Problem: Warum kamen dann aber erst mit der antiken Völkerwandung
der Goten die
Windhunde nach Europa, während es
sie in Nordafrika schon vor 10.000 Jahren gab?)
Andere glauben an zwei Entstehungsorte: einen für die
südlichen und einen für die
nördlichen Typen, denn überall
wo der Mensch auf weiten und offenen Flächen jagte,
nutzten ihm die schlanken und schnellen Windhunde: die asiatisch-russischen
Steppen
im Norden und die Savanne und das damals
grüne Grasland Nordafrikas und Arabiens.
Es gibt auch Vertreter der Theorie, dass die Wiege der Windhunde
nur in Afrika liegt
und sie von hier aus zuerst Ägypten und Vorderasien, später
Europa erobert haben.
Als Ahnherr wird der Canis lupus simensis, der Abessinische/Äthiopische
Wolf, genannt,
der in der offenen Steppe lebt und als einzige
Wolfsart bevorzugt als Einzelgänger jagt.
Dass Wölfinnen erst mit 2 Jahren geschlechtsreif
sind, deutet auf ein langsames Wachstum hin.
Dafür spricht auch, dass die ältesten Windhunddarstellungen
10.000 Jahre alte Felszeichnungen
in Afrika sind. Die dort abgebildeten stehohrigen Kurzhaarwindhunde
des Tesem-Typs
leben heute nur noch in den Mittelmeerrassen fort. Mit den jüngeren
ägyptischen
Darstellungen treten hängeohrige Windhunde im Typ des heutigen
Sloughis in den
Vordergrund.
Einige (zweifelhafte) molekularwisschenschaftlichen Analysen
von ausgewählten DNA-
Abschnitten lieferten angeblich die folgenden, interessanten Ergebnisse:
Erstens: Sloughi und Azawakh besitzen ein zusätzliches
Gen gegenüber den anderen Orientalen.
Dies könnte die Theorie der älteren Rasse (als der genetisch
reicheren Urform) stützen.
Zweitens: Sloughi und Afghane scheinen enger miteinander verwandt
zu sein als Sloughi und Saluki.
Sloughi + Afghane: 1 Unterschied in dem genetischen Fingerabdruck
der ausgewählten DNA-Marker
Afghane + Saluki: 3 Unterschiede in dem genetischen Fingerabdruck
der ausgewählten DNA-Marker
Sloughi + Saluki: 7 Unterschiede in dem genetischen
Fingerabdruck der ausgewählten DNA-Marker
Quelle: http://www.sloughi-international.com/saluki.html
(Anmerkung: Die Herkunft dieser Behauptung konnte von
mir nicht zurückverfolgt und im Inhalt überprüft werden.
Ich erwähne sie nur der Vollständigkeit halber.)
Aber stammen alle Hunderassen denn wirklich von nur einer
Wolfsart ab?
Eine letzte Theorie geht davon aus, dass die Windhunde aus einer
eigenen Wildform entstanden sind.
Eine molekulargenetische Untersuchung zeigte, dass es 4 molekulargenetisch
unterschiedliche Gruppen
von Hunden gibt. Offensichtlich hat der Mensch den Wolf mehrmals gezähmt
und dann domestiziert.
(Quelle: http://www.dachshundklub.de/zucht/domestikation.pdf )
Da in diesem Falle die Wildform des
Windhundes nur in einem offenen Grasland oder Steppengebiet entstanden
sein kann, liegt ebenfalls
als Entstehungsort der afrikanische Kontinent am nächsten.
Wie sich Afrikas Vegetation im Laufe
der letzten Jahrtausende - dem Zeitraum der Entstehung des Windhunde
- veränderte, zeigen die
bunten Grafiken unter dem folgenden Link: http://www.esd.ornl.gov/projects/qen/nercAFRICA.html
.
Demnach war die Sahara vor 5.000 Jahren eine Mischung aus Halbwüste
und offener Graslandschaft
und vor 7-8.000 Jahren komplett eine offene Graslandschaft mit einem
Savannenstreifen im Süden.
Geht man allerdings noch weiter zurück, wird die Sahara allmählich
wieder zur Wüste, ähnlich wie heute.
In dieser offenen Graslandschaft (ähnlich der heutigen Gras-
und Savannenlandschaft in Südafrika)
könnte sich ein windhundhaftes Raubtier entwickelt haben, das
sich dann dem Menschen anschloss.
Gerhard Franz hat in einem 2003 erschienen Artikel seine Argumentation
zusammen gefasst:
alte Theorie: alle Hunde
stammen vom Wolf an
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Anfechtung: eigene Wildform
für Windhunde
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Forschungsmeinung:
Im deutschsprachigen Raum gilt es als unangefochtene Lehrmeinung,
dass alle Hunderassen ohne Ausnahme einzig und allein vom Wolf abstammen.
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andere Forschungsmeinung:
Im französischsprachigen Raum wird die These, dass Windhunde
von einer ursprünglichen, frei lebenden Art hundlicher Raubtiere abstammen,
schon länger vertreten.
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Stellung des Hundes in der Gesellschaft:
Unter den Hunderassen der Welt nehmen Windhunde
seit jeher eine bevorzugte Rolle ein. Herkömmlicherweise erklärt
man sich dies dadurch, dass Windhunde (im Falle des Orients) die einzige
Möglichkeit darstellten, den kargen Speiseplan um frisches Fleisch
zu bereichern.
Da es vom Wohlergehen des Hundes abhing, ob die
Jagd von Erfolg gekrönt wurde, war eine gewisse Fürsorge
für den hundlichen "Ernährer" unabdingbar.
Daraus erkläre sich die besondere Wertschätzung und Achtung
gegenüber den Windhunden.
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andere Stellung des Hundes in der Gesellschaft:
- In Nordafrika und Vorderasien, dem Herkunftsort der orientalischen
Windhunderassen, werden sie, ähnlich den Pferden, reingezüchtet
und hochgeschätzt. Nur der Windhund galt nicht als verachteter, "unreiner
Hund", durfte mit in das Beduinenzelt und bei Herrchen auf dem Teppich schlafen.
Welpen wurden von den Frauen versorgt.
- In Europa war dem normalen Volk die Haltung von Windhunden, einem
Privileg des Adels, verboten. Windhunde durften ebenfalls mit in die Wohnräume
des Schlosses oder der Burg und am Kamin liegen.
Viele Gemälde zeigen den Adel mit ihren edlen Windhunden, dem
edlen Jäger neben dem Raubvogel.
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Ernährung:
Hunde sind, wie der Wolf, Fleischfresser, zur Not Allesfresser. Eine
vegetarische Ernährung gilt als nicht hundegerecht.
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Ernährung:
Seit jeher wird für Windhunde trockenes Brot und Wasser empfohlen.
Noch heute werden sie in Nordafrika und dem Orient mit Brot und Olivenöl
ernährt.
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Entwicklungsgenetik:
Bei Pudeln beispielsweisedauert der erste intensive Wachstumsschub
etwa 56 Tage, nach 5-6 Monaten
wird die deutliche Wachstumszunahme langsamer.
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andere Entwicklungsgenetik:
Bei Barsois beispielsweise zieht sich der erste intensive Wachstumsschub
über mindestens 150 Tage hin. Barsois wachsen auch nach 6 Monaten
noch kräftig weiter.
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Verbreitung des Windhundes in Europa:
Windhunde wurden, zumindestens in der römisch- griechischen Antike,
offenbar nicht durch menschliche Zuchtauslese aus den vorhandenen europäischen
Laufhunden herausgezüchtet, sondern spätestens
von den völkerwandernden Goten importiert.
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importierte Verbreitung des Windhundes
in Europa:
Um 400 v.Chr. gab es anscheinend noch keine Windhunde in Europa (Xenophon
trieb mit Laufhunden Wild in Fallen), erst spätestens um 150 n.Chr.
herum berichtet Arrian von der Hetzjagd mit Windhunden.
Die Windhunde müssen importiert worden sein.
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Erste Darstellungen:
Der gängigen Theorie nach wurden wilde Wölfe allmählich
domestiziert. Als Stammform des Hundes kommen mehrere Wolfsarten in Frage,
obwohl auch einige Schädel Fuchs- und Schakalmerkmale zeigen.
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Erste Darstellungen:
erschienen erstmals und massiv in Afrika, einem Kontinent, in dem
nie das Vorkommen von Wölfen belegt wurde (außer dem Abessinischen
bzw. Äthiopischen Wolf, eng verwandt mit dem arabischen und indischen).
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Verhalten:
Der Hund zeigt wenigstens im Ansatz alle Drohformen des Wolfes. Seine
Stärke liegt im Bellen. Normale Hunde zeigen ein abgeschwächtes,
reduziertes Wolfsverhalten.
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teilweise wolfsuntypisches Verhalten:
Windhunde bellen wenig, haben ein anderes, reiches Lautrepertoire
und weichen besonders bei dem üblicherweise vielzitierten Abwehr-
und Aggressions- verhalten teilweise erheblich vom Hundeverhalten ab.
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Verhalten:
Hunde sind Rudeljäger und abhängig von ihrem engen Rudelverband.
Sie gehorchen auch gegen ihre Instinkte.
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gegensätzliches Verhalten:
Windhunde sind selbstständige, unabhängige und eigenverantwortliche
Individualisten. Instinktbestimmt lassen sich von einer begonnenen Jagd
nicht abrufen.
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Lebensraum:
Wölfe leben in waldreichen, stark zerklüfteten Regionen
und ermüden ihre Beute durch ausdauerndes Verfolgen.
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gegensätzlicher Lebensraum:
Eine blitzschnelle Sprintfähigkeit kann sich nur in offenem Gelände
entwickeln: Steppen, Savannen, Hochebenen.
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Orientierung:
Hunde orientieren sich hauptsächlich über ihren Geruchs-
sinn. Auch Jagdhunde arbeiten mit der Nase an der Fährte, selbst der
treibjagende Rudeljäger Wolf.
Der seine Beute bis zur Erschöpfung treibende Rudeljäger
(Hund wie Wolf) kann auf sich gestellt kein größeres Wild als
Mäuse, Ratten und junge Kaninchen erjagen.
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gegensätzliche Orientierung:
Windhunde dagegen gebrauchen in erster Linie ihre Sicht,
sich auch durch Hochspringen aus dem Stand umsehend. Die scharfsichtigen
Windhunde nehmen noch die kleinste Bewegung im weit entfernten Feld, ja
am Horizont, wahr.
Die Umstellung der Sinnesorgane vom ausgesprochenen Nasen- zum Augentier
macht den Windhund einmalig,
zum sprintenden Geparden unter den Hundeartigen.
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Domestikationsfolgen:
Das Haustier erleidet im Laufe der Zeit einen permanenten Leistungsabfall
seiner natürlichen Fähigkeiten, da nicht mehr dem natürliche
Überlebens- kampf unterworfen. Durch die Reduktion der Sinneszentren
im Gehirn müssen die Sinnesleistungen
von Haustiere gegenüber der Wildform geringer sein.
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typische Evolutionsmerkmale:
Windhunde sind dem Wolf überlegen in:
- der Schnelligkeit (Einholen der Beute:
überlegen im natürlichen Laufvermögen)
- der Fixierung und Erjagung von Beute (Sichtjäger:
überlegen im Jagen (Einzeljäger) und Sehen)
- der individuellen Entscheidung des Zugriffs
- in der direkten Konfrontation (Jagd auf Wölfe)
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Menschliche Zuchtauslese:
Wenn der Mensch durch die Verpaarung seiner besten Hetzhunde den superschnellen
Windhund gezielt herausgezüchtet haben sollte, warum hat er dann keinen
gehorsamen, problemlos an das Leben in der Gemeinschaft angepassten Hund
gezüchtet?
Denn schon vor über 5.000 Jahren werden angeleinte Windhunde
abgebildet. Bis heute sind Windhunde nicht durch die üblichen Regeln
der Unterordnung unter Kontrolle zu halten. Wenn der Mensch diesen Hochleistungsjäger
züchten konnte, warum dann
nicht mit dem einfacheren, hundetypischen Wesen?
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keine menschliche Zuchtauslese:
Windhunde lassen sich durch die Rennbahnzucht nicht schneller machen
und in ihrem Jagdvermögen verbessern.
Sie sind seit ihrem Auftauchen vor rund 10.000 Jahren nicht oder kaum
verbesserungsfähige Hochleistungsjäger.
Normalerweise bringt nur die Natur ein Lebenwesen hervor, das nicht
mehr zu übertreffen ist:
- ideale Abstimmung des Bewegungsapparates
- ideales Verhältnis und Winkelung der Gliedmaßen
zueinander sowie deren Bemuskelung
- ideales Brustkorbvolumen mit der auf höchste
Leistungsfähigkeit spezialisierten Lunge und Herz
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Zuchteinflüsse:
Der Mensch kann durch züchterische Auslese nur auf einzelne,
besondere Merkmale hinarbeiten, wie z.B. Gewicht, Größe, Milchleistung,
Fleischleistung, Hüteleistung, Gehorsamsbereitschaft und Zutraulichkeit.
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Zugestandene Zuchteinflüsse:
"Rasseentstehung" durch regionale Anpassungen an die Klima- und Geländegegebenheiten,
jagbaren Wildarten und menschlichen Jagdmethoden (Kurzhaar, Rauhhaar, Langhaar,
Ohrenform, Rutenform, Größe, Gewicht, Farbe, andere Eigenheiten
und "Rassekennzeichen").
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Demnach spricht einiges dafür, "dass die Canidenart Windhund
sich in der freien Wildbahn
so entwickelt hat, wie sie uns heute begegnet: Schneller als alle bekannten
Wolfsarten, auf
Sicht jagend, äußerst eigenwillig, aber doch mit einem
gewissen Respekt vor dem Menschen.
Durch diese Eigenschaft hat sich der Windhund dem Hausstand angepasst."
Quelle: aus "Unsere Windhunde" März 2003, Seite 24-29,
"Nur Mut zum Denken. Versuch zur Anfechtung der Theorie,
dass alle Hunde auf den Wolf zurückgehen - am Beispiel der
Windhunde" von Gerhard Franz
Jedoch lassen sich die meisten Eigenheiten der Windhunde aus
ihrer Funktion heraus erklären.
Wie sich aus den Bracken Windhunde entwickelt haben können, indem sie
sich nämlich auf die
Hochgeschwindigkeitsverfolgung spezialisiert haben, habe bereits weiter oben
beschrieben.
Daraus resultierte logischerweise eine extrem auf Geschwindkeit angelegte
Anatomie wie auch
die Ausrichtung auf die Sichthetze (vom feinen Nasentier zum hochaufmerksamen
"Augentier").
Eric Zimen erklärt die Gehorsamsunwilligkeit der Windhunde aus der Wolfs-Selbstständigkeit:
"Zwischen dem geradezu lernwilligen Hund, der allein dadurch für seinen
Eifer belohnt wird, dass er es Herrchen oder Frauchen recht macht und womöglich
gar eine Streicheleinheit bekommt, also körperlichen Kontakt mit seinem
"Super-Alpha" erfährt, und dem unabhängigen und nur schwer über
soziale Verstärker für das Lernen zu motivierenden Wolf liegen
Welten, genau gesagt: 10.000 Jahre Domstikation.
Dazwischen gibt es aber bei verschiedenen Rassen und Schlägen alle Übergänge.
In Hundepopulationen, die noch relativ unab-
hängig von menschlicher Fürsorge leben wie Dingos, Pariahunde,
Basenjis, besteht weiterhin eine harte natürliche Selektion auf die
Fähigkeit, selbstständig das Leben zu meistern. Gleiches gilt,
wenn auch jetzt durch künstliche Selektion bedingt, für Rassen,
die zu Aufgaben gezüchtet werden, die relativ unabhängig von menschlicher
Einflussnahme ausgeführt werden müssen, wie viele Terrier, andere
Erdhunde, Bracken oder Windhunde. Hunde dieser Rassen gelten als wenig lernwillig
bei allen Aufgaben, für die sie nicht speziell gezüchtet wurden.
Einem Jagdterrier beizubringen, in die Fuchshöhle einzudringen, ist
keine Kunst, ihm aber anzudressieren, auf Befehl still sitzen zu bleiben,
die einmal begonnene Jagd abzubrechen und zurückzukommen oder bei Fuss
zu gehen, ist dagegen fast ein Ding der Unmöglichkeit."
"Je weiter fortgeschritten die Entwicklung zur Selbstständigkeit ist,
desto weniger ist der Hund sozial motiviert, die vom Menschen festgelegten
Regeln zu akzeptieren. Damit ist die Lernfähigkeit des Hundes weitgehend
eine Frage, auf welcher Entwicklungsstufe des Wolfes bezüglich seiner
Selbstständigkeit er stehengeblieben ist. Gelehrige Hunde sind immer
auch infantile Hunde, so zum Beispiel viele der reinen Gesellschafts- oder
auch Jagd- und Gebrauchshunderassen, einschließlich der Deutschen Schäferhunde."
Quelle: Erik Zimen, "Der Hund. Abstammung - Verhalten - Mensch und Hund",
München 1988, Seite 426 und 428.
Darüber hinaus gibt es durchaus reinblütige Windhunde, die zu einem
gewissen Gehorsam fähig sind. Das
beweisen die erfolgreichen Teilnahme an Obedience- und Agilitywettbewerben,
vor allem in den USA.
Es ist also möglich, ohne Einkreuzung "normaler" Hunde den Windhunden
durch Zuchtwahl ihre extreme
Selbstständigkeit abzuzüchten und sie an die Anforderungen des
"westlichen" Begleithundes anzupassen.
Mehr Lernwilligkeit liegt im genetischen Potential, das zeigen nicht nur
die eh mit europäischen Hunden vermischten "westlichen" Windhunderassen,
sondern sogar die als jahrtausendelang reinblütig geltenden Orientalen.
Bleibt die ethische Frage, ob es uns zusteht, die seit mehr oder weniger
langer Zeit auf die selbstständige Sichtjagd gezüchteten Windhunde
nach den heutigen Begleithund-Bedürfnissen zu verändern.
Bei den Rennhunderassen (Greyhound, Whippet) ist dies schon im vorigen Jahrhundert
getan worden.
In ihrer langen Geschichte machen viele Hunderassen immer wieder Veränderungen
ihrer Gebrauchsfunktion durch und entwickeln dadurch neue Rassen. Die Meinungen,
ob wir einen willkürlich festgelegten Status-quo zu erhalten haben oder
es legitim ist, die wandlungsfähigen Hunde immer neu anzupassen, gehen
auseinander.
Auch das Argument, dass sich Windhunde problemlos
vegetarische ernähren lassen, überzeugt
nicht.
Eine rein pflanzlich Ernährung funktioniert selbst
bei den ganz normalen, europäischen Hunderassen,
wie u.a. diese Internetseite zeigt: http://www.ein-besseres-leben.de/e433f350/a114.html
Als Unterstützung einer anderen Abstammungstheorie:
Auch eine deutsche Züchterin des Podenco Ibicencos vermutet zumindestens
eine
Einkreuzung von Schakalen für ihre Rasse, nach ihrer Überzeugung
dem direktesten
Nachfahren der ältesten Windhundrasse
Tesem und Stammvater aller anderen Windhunde.
Sie nennt auf ihrer Homepage einige Hinweise auf Schakalblut in den Adern:
"Für mich ist der Podenco Ibicenco ein "Ast" in der Evolution,
der von der Wissenschaft übersehen wurde.
Die schlichte Behauptung, daß alle Hunde vom Wolf abstammen - belegt
durch Trummlers "Pudelwölfe" -
greift hier nicht ganz. Zum einen hat der Podenco Ibicenco eine Nasennebenhöhle,
die ansonsten nur beim
Schakal vorkommt, zum Anderen hat er Eigenschaften, die ihn weitab vom "normalen
hündischen Verhalten"
als eigenständige Spezies ausweisen. Viele seiner Besonderheiten belegen,
daß er die Urform aller heute
existierenden Windhundrassen ist. Schakalverpaarungen mit Hunden werden
von der Wissenschaft als
möglich aber nicht fortpflanzungsfähig (wie Esel - Pferd - Maultier)
abgehandelt, alte Römische Schriften
belegen jedoch häufig Hund-Wolf-Schakal-Mischlinge."
"Einen reinrassigen Podenco Ibicenco würde ich vom Wesen her eher mit
einem Geparden vergleichen
als mit einem Hund. Von der "katzenhaften" Fellpflege bis zum "JiuJitsu-mässigen"
Anspringen der Beute
oder etwaiger Gegner lassen sich viele Parallelen ziehen."
"In der Meute und im Umgang mit anderen Tieren zeigt er zudem ein Sozialverhalten,
das meines
Erachtens das "wölfische" noch überbietet. Sonderbarerweise gibt
es auch keine Probleme mit Katzen
(sofern diese nicht fremd sind und die Flucht ergreifen und somit "automatisch"
erstmal zur "Beute" werden).
Ich hätte auch keine Probleme damit, einen völlig fremden Podenco
oder einen anderen Windhund direkt
zu meiner Meute zu lassen. Wohl aber beispielsweise einen Deutschen Schäferhund,
denn dort zeigt sich
eine Art "Rassismus" der Windhunde. Man erlebt dies häufig auf Ausstellungen
oder Rennveranstaltungen:
Mehrere hundert Windhunde kommen völlig problemlos miteinander aus,
bis dann ein "Normalhund" kommt -
und plötzlich zeigt sich Agression und Bellerei..."
"Doch auch hier gibt es eine Besonderheit, die den Podenco Ibicenco auszeichnet:
Er ist quasi "von
Natur aus agressionsfrei", versucht also (freilaufend) immer zuerst, den
anderen Hund freundlich aber
intensiv (natürlich mit allem Macho-Gehabe) zu begrüßen
und sich mit ihm bekannt zu machen."
Quelle: http://www.windhundwelt.com/firstdynasty.html
Interessante Links zur molekulargenetischen Abstammungsnachweis unserer
Haushunde,
die einen gemeinsamen Urahnen ALLER Hunderassen und eine enge Verflechtung
der
Windhunde mit allen anderen Hunderassen nahe legen, und damit auch die
Entstehung
der Windhunde aus verschiedenen alten Jagdhundelinien (wobei jedoch außer
dem Afghanen
keine orientalische oder Mittelmeerwindhunderasse in die Untersuchungen
mit eingeflossen
sind, sondern nur drei mit europäischen Hunden stark vermische westliche
Windhunde):
http://radio.weblogs.com/0100187/2002/11/21.html (Science-Artikel)
und
http://www.grapevine.net/~wolf2dog/wayne1.htm (beide
englischsprachig).
Es geht weiter mit den ersten Zeugnissen von den
beiden Typen des Afghanischen Windhundes.
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